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Vegetative Vermehrung von Pinguicula grandiflora durch Brutknospen

Abb. 1: Sommerrosette 
 (c) Georg Stach
Abb. 1: Sommerrosette
© Georg Stach

Fettkraut-Arten wie Pinguicula alpina, Pinguicula leptoceras, Pinguicula grandiflora oder Pinguicula vulgaris gedeihen hauptsächlich in montanen Regionen mit gemäßigtem Klima. Entgegen der meisten anderen mexikanischen Species, müssen die Arten der kühleren Zonen einen Winter mit starkem Frost überstehen.

Sie bilden dazu eine Winterknospe1, die die Sommerrosette ablöst. In diesem Artikel geht es um die vegetative Vermehrung solcher Species - stellvertretend habe ich dazu P. grandiflora herangezogen, weil sie die am einfachsten zu kultivierende Art aus dieser Fettkraut-Gruppe sein dürfte.

Abb. 2: Winterknospe 
 (c) Georg Stach
Abb. 2: Winterknospe
© Georg Stach

Im späten Herbst, wenn die Temperaturen sinken und die Nächte kälter werden, beginnt die Umstellung auf eine neue Winterrosette. Die Fangblätter der Sommerrosette werden "abgeworfen". An ihre Stelle tritt die eng verschlossene Knospe, die den kommenden Wintertagen trotzt. Abb. 1 zeigt die Sommerrosette, in deren Basis bereits die Winterknospe nach oben drängt.
Das Foto auf Abb. 2 ist Mitte Dezember entstanden2 und zeigt, dass die Sommerrosette schon fast verwest ist. An den Naturstandorten ist die Winterknospe schon längst von einer dicken Schneeschicht überzogen. Kleine Brutknospen haben sich um die Winterknospe versammelt. Sie sehen fast wie kleine Kinder aus, die sich um ihre große Mutter scharen.

Abb. 3: austreibende Brutknospe nach einem Monat 
 (c) Georg Stach
Abb. 3: austreibende Brutknospe nach einem Monat
© Georg Stach

Wir sammeln die kleinen Brutknospen sorgfältig ab, denn aus ihnen können wir schon bald erwachsene Pflänzchen machen! In einem Topf mit einem Torf-Lehm-Gemisch (ich habe das Verhältnis ca. 2:1 gewählt) setzen wir die Kleinen mit der stumpfen Seite nach unten zeigend auf das Substrat. Vielleicht haben sogar schon die eiligsten unter ihnen feine Wurzeln gebildet. Man sollte die Knospen nicht zu eng aussetzen, damit sie sich später nicht gegenseitig behindern.
An einem warmen, hellen Platz stellen wir den Topf auf und halten ihn im Anstauverfahren feucht-nass. Abb. 3 zeigt eine der Brutknospen nach knapp 30 Tagen. Das erste Blattpaar der Sommerrosette tritt hervor.

Abb. 4: ... nach zwei Monaten 
 (c) Georg Stach
Abb. 4: ... nach zwei Monaten
© Georg Stach

Schon nach zwei Monaten haben sich die Jungpflanzen mit einem feinen Wurzelwerk im Boden verankert. Wir halten die Kulturbedingungen weiterhin hell und feucht. Eigentlich haben wir ja noch Februar und draußen gefriert es regelmäßig. Die Anzucht-Temperatur sollte bei circa 12-15°C liegen, um das Wachstum der Fettkräuter zu bestätigen, denn für die jungen Pflänzchen ist schon längst Frühjahr :-)
Von nun an können wir dem Großblütigen Fettkraut fast schon beim Wachsen zusehen. Ein Standort am Südfenster ist optimal, für die Anzucht ist unter dieser Bedingung nicht mal eine Zusatzbeleuchtung notwendig.


Abb. 5: ... nach vier Monaten 
 (c) Georg Stach
Abb. 5: ... nach vier Monaten
© Georg Stach

Die fünfte Abbildung ist im April entstanden. Die Sommerrosette zählt schon mehrere Blätter und hat einen Durchmesser von etwa 3cm erreicht. Natürlich können sie ihrer Mutterpflanze, die den kalten Winter im Freien verbracht hat, damit noch keine Konkurrenz machen. Diese ist übrigens erst jetzt damit beschäftigt, ihre ersten, großen Fangblätter auszulegen.
Ab Mai, wenn es Fröste auszuschließen sind, können wir die Jungpflanzen nach draußen setzen. Sie sollten dort vor starker Sonneneinstrahlung und gierigen Vögeln unbedingt geschützt werden.
Wir können auch schon die ersten Pflanzen pikieren und ihnen so noch mehr Platz zum Wachsen geben.

Abb. 6: Blüte 
 (c) Georg Stach
Abb. 6: Blüte
© Georg Stach

Die Pflanzen haben sich bald im Freien an die neue Umgebung gewöhnt und vertragen auch direkte Sonne.
Dass sie blühen, ist im ersten Jahr leider noch nicht zu erwarten.

Im folgenden Winter werden sie allerdings ihre ersten eigenen Nachkommen in Form kleiner Brutknospen produzieren, mit denen wir das Überleben der Art großzügig sichern können.


1) Hibernakel (vgl. lat. "hibernus" - Winter)
2) In Nordrhein-Westfalen, ca. 250m ü. NN



Autor: Georg Stach


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