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Einführung
Nomenklatur

In Deutschland heißt sie "Venusfliegenfalle", im englischen Sprachgebrauch "venus fly trap", im Französischen "Dionée attrape-mouches" und auf Niederländisch "Venus Vliegenfal". Wenn wir aber von Dionaea muscipula sprechen, wissen wir alle, dass wir von der gleichen Pflanze sprechen: Die Verwendung standardisierter Namen ist die Bedingung für die erfolgreiche Kommunikation in Bezug auf Pflanzen. Diese Erkenntnis war die Geburtsstunde der Nomenklatur (Lehre von der Namensgebung der Pflanzen).

Die Nomenklatur wurde im 18. Jahrhundert von Carl von Linné (Carolus Linnaeus) auf einen einheitlichen Nenner gebracht. Mit LinnĂ© setzte sich die binäre Nomenklatur durch, die 1867 auf dem Ersten Botanischen Internationalen Kongress zu Paris angepasst wurde.

Dionaea muscipula SOLAND. ex ELLIS 
 (c) Martin Reiner
Dionaea muscipula SOLAND. ex ELLIS
© Martin Reiner

Nach der binären (zweiteiligen) Nomenklatur setzt sich ein Pflanzenname aus dem Gattungsnamen und Speciesnamen (Epithet - nachgestelltes Wort) zusammen. Der Gattungsname beginnt mit einem Großbuchstaben, der Artname wird kleingeschrieben. Weil zur Zeit LinnĂ©s Latein die Sprache der Wissenschaft war, werden die botanischen Namen auch heute noch latinisiert - dies gilt auch für Namen, die griechischen Ursprungs sind (wie beispielsweise der Gattungsname Heliamphora). Benannt werden Arten häufig nach Personen (Drosera slackii - zu Ehren von A. Slack), nach ihren Eigenschaften (Nepenthes densiflora - mit dichten Blüten), ihrem Standort u.ä.

Die Namen werden kursiv geschrieben. Wenn im Text von der gleichen Gattung gesprochen wird, ist es üblich, den Gattungsnamen abzukürzen (D. slackii). Darüberhinaus kann in Kapitälchen der Nachname des Erstbeschreibers mit dem Jahr der Veröffentlichung angefügt werden, z.B. D. slackii Cheek (1987).

Von einer Art gibt es sehr oft Abweichung von dem "normalen Typus". Weil der Mensch gerne in Schubladen denkt1, hat man weitere Möglichkeiten zur Kennzeichnung von Unterordnungen erstellt, um die Strukturen solcher Abweichung möglichst genau auszudifferenzieren. Der Hierarchie nach:

  • Subspecies (Abkürzung: "ssp."): Unterspecies; geographische Sippen und regionale Typen
  • Varität (Abkürzung: "var." oder "v."): lokale geographische Sippen
  • Form (Abkürzung: "f."): Varianten, die sich durch geringfügige Merkmale unterscheiden (Blütenfarbe z.B.)
Die genannten Abkürzungen werden nicht kursiv notiert.
Als Beispiel nehmen wir Sarracenia purpurea ssp. venosa var. montana. Diese Sarracenia purpurea-Form wird in die Untergruppe "venosa" eingegliedert, weil sie unter anderem eine starke Blattbehaarung besitzt, die Sarracenia purpurea (Untergruppe: purpurea) fehlt. Es handelt sich außerdem um die Varität "montana", einer geographisch begrenzten Sippe.


Cultivars und Hybriden

Sarracenia Hybride 
 (c) Georg Stach
Sarracenia Hybride
© Georg Stach
Bestimmt haben Sie auch schon Bezeichnungen wie Pinguicula 'Weser' gesehen. Dabei handelt es sich um sog. Cultivars, die nicht in unserer Datenbank eingetragen sind.
Bei Cultivars (eine Komposition aus "cultivated variety" - "kultivierte Varietät") handelt es sich um Pflanzen, die in der Natur in dieser Form nicht existieren. Sie sind von Menschenhand durch Selektion, Hybridisierung, zufällige Mutationsbildung usw. geschaffen. Lt. Nomenklatur sind solche Cultivars in einfache Anführungszeichen zu setzen und müssen mit einem Großbuchstaben beginnen, zudem ist eine lateinische Bezeichnung unzulässig. Cultivars müssen, ähnlich wie Marken, registriert werden.

Viele Karnivoren-Arten lassen sich innerhalb einer Gattung untereinander kreuzen, d.h. die Befruchtung findet nicht zwischen gleichen Arten statt. Man spricht in diesem Fall von Hybriden2. Die Hybridation ist in der Natur ein üblicher Vorgang, insbesondere bei Sarracenia und Nepenthes. Von Menschenhand werden Hybriden gerne erzeugt, weil sich durch die Kreuzung zweier oder mehrerer Arten recht gezielt "neue" Pflanzen züchten lassen, die Form und Farbe ihrer Elternpflanzen in sich vereinigen. Solche Hybriden, die durch mehrfache Kreuzungsvorgänge entstehen, sind bei Nepenthes in natura eher selten (Clarke, 1997). Unsere Datenbank enthält keine Kunst-Hybriden.

Hybriden werden durch das Kreuzungssymbol "×" gekennzeichnet. Links und rechts vom Kreuzungssymbol werden die beteiligten Elternpflanzen notiert: "Drosera anglica × Drosera rotundifolia". Üblicherweise steht die Mutterpflanze, die die Samen produziert, an erster Stelle, d.h. links vom Hybridzeichen. Mit Klammern kann man verdeutlichen, welche Arten miteinander gekreuzt wurden, wenn mehr als zwei Elternpflanzen beteiligt waren, wie es bei folgender Sarracenia-Hybride zu sehen ist: (S. flava × leucophylla) × oreophila3. Bei dieser Hybride wurden also erst S. flava und S. leucophylla gekreuzt. Die daraus entstandene Hybride wurde dann noch einmal mit S. oreophila gekreuzt.
Für einige geläufige Hybriden gibt es Trivialnamen, mit denen man die Hybridformel verkürzen möchte. Statt "Drosera anglica × Drosera rotundifolia" schreibt man auch "Drosera × obovata" (Hybridzeichen beachten!).


Dies ist lediglich ein kleiner Einblick in die Nomenklatur. Wie so oft gibt es unterschiedliche Interpretationen, und so ist es nicht verwunderlich, dass einige Pflanzenbezeichnungen mit der Zeit als ungültig deklariert und in andere Zweige oder unter neuem Namen wieder eingegliedert werden.

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1) ... eigentlich ist diese Datenbank auch nichts anderes als ein riesiges Regal voller Schubladen, die wir weiter füllen möchten ...
2) aus dem Griechischen, übersetzbar mit "Mischkultur"
3) bedingt durch unterschiedliche Standorte und Blühzeiten ist eine solche Hybride in der Natur unwahrscheinlich

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Autor: Georg Stach

  
 


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