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Begriffsklärung

Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit man von Fleischfressenden Pflanzen (synonym: "Karnivoren", "Carnivoren" oder "Insektivoren"1) sprechen kann?
In Juniper & al. (1989) sind u.a. folgende Informationen zu finden: Die Pflanze muss ...

  • ... die Beute anlocken
  • ... diese festhalten
  • ... sie töten
  • ... sie selbst verdauen
  • ... und ihre nützlichen Bestandteile für das weitere Wachstum aufnehmen

Das Wichtigste sei vorweg gesagt: es gibt keine eindeutige Definition2.
Um in die Kategorie der Karnivoren eingereiht zu werden, reicht es nicht, Tiere zu fangen und zu töten; wäre dem so, sprächen wir von einer weitaus größeren Gruppe von Pflanzen: einige Farn-, Erika-, Geranien-, Leberblümchen- und Urnenpflanzen-Arten töten Tiere. Capsella bursa-pastoris, das Hirtentäschel, besitzt carnivore Samen.

Ein entscheidender Punkt bei der Frage, ob es sich bei Pflanzen um Karnivoren im engeren Sinne handelt, ist die Art der Verdauung der Beute. Zweifellos gehören alle Pflanzen, die Beute machen und selbständig zersetzen und aufnehmen, zu den Fleischfressern. Der Großteil der Karnivoren produziert Enzyme, welche die Opfer zersetzen und der Pflanze als Nahrung zugänglich machen. Der Verdauungsvorgang ist also aktiv.
Die Sumpfkrüge der Gattung Heliamphora verdauen ihre Beute mittels Bakterien; die von den Bakterien gelösten Nährstoffe werden von dem Sumpfkrug absorbiert. Es ist ein passiver Vorgang, zumal die Verdauung nicht durch den Sumpfkrug selbst bewerkstelligt wird - und doch zählt diese Gattung zu den Karnivoren.

Anders ist dies bei der präkarnivoren Gattung Roridula (Taupflanze). Sie fängt Insekten en masse, verdaut sie aber nicht. Roridula steht in Symbiose mit spezialisierten Wanzen- und Spinnenarten, welche die gefangenen Tiere aussaugen3. Die Taupflanze profitiert von den Ausscheidungen der Symbionten.

Das oben Gesagte zusammengefasst, erhalten wir eine recht prägnante "Definition" für Karnivorie:

Drosera callistos 
 (c) Michael Beneke
Drosera callistos
© Michael Beneke
  1. "Die Pflanze muß deutlich nachweisbare Einrichtungen zum Fang von Kleinstlebewesen aufweisen. Dabei kann die Beute durch Duft oder Farbe zusätzlich angelockt werden. Dies ist jedoch nicht zwingend notwendig (Genlisea, Pinguicula)

  2. Die Pflanze muß in der Lage sein, die Nährstoffe der gefangenen Insekten über das Blatt aufzunehmen, um so ein besseres Wachstum zu erhalten. Die Zersetzung der Beute kann durch Verdauungsenzyme oder auch durch Bakterien stattfinden. Enzyme müssen nicht unbedingt vorhanden sein. (Heliamphora)"4

Die Entscheidung, ob Pflanzen prä-carnivor oder carnivor sind, überlasse ich den Erkenntnissen der Wissenschaft, denn oft sind die Grenzen zwischen diesen Gruppen fließend. Auf dieser Website finden Sie neben "echten Karnivoren" auch die sog. "Präkarnivoren", die zumeist als solche gekennzeichnet sind.


1) carnivor bedeutet "fleischfressend" und stammt von Lateinischen Wörtern "caro" (Fleisch) und "devorare" (verschlingen). Die Schreibweise mit "K" ist lediglich eingedeutscht. Die Bezeichnung "Insektivoren" stammt von Charles Darwin.
2) Dies macht das Wort Definition eigentlich zu einem Widerspruch in sich ...
3) Weitere Informationen sind auf der Homepage der G.F.P. zu finden.
4) Carow, T. (1985): "Insektenfangende Pflanzen" - eine genau definierte Pflanzengruppe?. Das Taublatt, 3/85, S. 8-10.



Autor: Georg Stach


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www.FleischfressendePflanzen.de - Die Karnivoren-Datenbank.
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