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Species: Pinguicula vulgaris Linnaeus, {1753}


PatenschaftDiese Art wird betreut von: Philipp Gießibl

Datenblatt

Systematik

Beschreibung

  Historisches

Diese äußerst interessante Art wurde bereits 1753 von Linnaeus (= Carl von LinnĂ©, Begründer der modernen Systematik) beschrieben. Sie war aber schon lange Zeit vorher die erste bekannte Art der Gattung Pinguicula und wurde schon öfters in der damaligen Fachliteratur erwähnt.

  Systematik

Pinguicula vulgaris wird in die Untergattung Pinguicula eingeordnet, wo sie der Sektion Pinguicula angehört. Zusätzlich zur Species wurden noch zahlreiche Formen beschrieben, von denen heute aber meistens nur noch f. bicolor und f. albida als gültig angesehen werden. Diese Formen können leicht anhand der Blüte bestimmt werden, so hat die von f. bicolor eine hellblaue bis violette Grundfarbe mit einer fast weißen Färbung am vorderen Teil der Kronblätter, während die von f. albida reinweiß ist.

  Die Pflanze

Diese mehrjährige, terrestrische Pflanze bildet wie viele andere Arten der Gattung eine flach dem Boden anliegende Blattrosette.

Das Wurzelsystem beschränkt sich auf Sekundärwurzeln, die dem kurzen Spross entspringen. Die Primärwurzel stirbt wie bei allen anderen Arten der Gattung bereits im Sämlingsalter ab.

Im Jahresverlauf werden drei Blatttypen ausgebildet:
Im Frühling erscheinen die meist dunkelgrünen, breiten Frühjahrsblätter mit gleichmäßig leicht aufgerolltem Rand und nur schwach abgerundeter Spitze.
Anschließend kommen nach der Blütezeit im etwas späteren Frühjahr oder auch Frühsommer die deutlich längeren, im Verhältnis etwas schmaleren Sommerblätter mit wesentlich stärker abgerundeter Spitze zur Ausbildung. Deren Erscheinungsbild kann sehr unterschiedlich sein, so sind sie meistens gelbgrün gefärbt, können aber auch eine dunkelgrüne und bei viel Licht auch eine leicht rötliche Färbung annehmen. Außerdem sind die Ränder der Sommerblätter meistens nicht so gleichmäßig leicht nach oben gebogen wie bei den Frühjahrsblättern, in der Regel haben die Ränder unregelmäßig verteilte Knicke, Ausnahmen können aber regelmäßig vorkommen. Am stärksten schwankt jedoch die Größe, so werden an manchen Standorten die ausgewachsenen Pflanzen kaum größer als 3,5 cm, während sie anderswo bis zu 20 cm im Durchmesser erreichen.
Im Herbst, teilweise auch schon im Spätsommer, kommen die äußerst kleinen, spitzen, nach oben gerichteten und eng zusammensitzenden Winterblätter zur Ausbildung, die das Hibernakel (Winterknospe) formen. Dieses Überwinterungsorgan kann eine gelbliche, grüne oder auch eine leicht rötlich angehauchte Färbung haben und ist bei ausgewachsenen Pflanzen etwa zwischen 0,5 und 2 cm groß. In einigen Blattachseln werden in der Regel noch Nebenknospen gebildet, das sind zusätzliche, kleinere Hibernakel, die der vegetativen Vermehrung dienen. Anschließend beginnen alle Sommerblätter und auch die Wurzeln und der Spross langsam abzusterben, sodass die haltlosen Überdauerungsorgane durch Witterungseinflüsse gut verteilt werden können. Allerdings kommt es auch öfters vor, dass die Hibernakel unter der Bodenoberfläche gebildet werden, weil Pinguicula vulgaris gelegentlich in Moospolstern o.ä. wächst und die Pflanze nicht mit der Wuchsgeschwindigkeit des übrigen Bewuchses mithalten kann, was dazu führt, dass die oberirdischen Blattteile durch teilweise bis zu 5 cm lange unterirdische Teile mit dem Spross verbunden sind. Hier sterben meistens die Nebenknospen im nächsten Frühjahr ab, da die neu austreibende Mutterpflanze die sich aus den Nebenknospen entwickelnden Tochterpflanzen sofort überwuchert.

Für Beutefang und -verdauung sind hauptsächlich die Sommerblätter, aber auch die Frühjahrsblätter zuständig. Fang und Verdauung erfolgen auf die gleiche Weise wie bei allen anderen Arten der Gattung.
Als Beute werden hauptsächlich Trauermücken gefangen, das Spektrum reicht aber über Mücken bis hin zu kleinen Käfern oder anderen kleinen Insekten, die auf dem Boden umherkrabbeln und dabei zufällig in die Falle geraten. Nicht zu verachten sind auch die durch den Wind herangetragenen Blütenpollen, die sich in beachtlicher Menge auf den Blättern sammeln können. So können unter Umständen bis zu 70 % des gesamten von der Pflanze aufgenommenen Stickstoffes ausschließlich von den verdauten Pollen stammen.

Je nach Klima erscheinen zwischen April und August, kurz bevor die Frühjahrs- in die Sommerblätter übergehen, zwei bis vier, maximal sechs komplett blauviolette, selbstfertile und wahrscheinlich auch kleistogame Blüten, die auf etwa 5 bis 15 cm langen Blütenstielen sitzen. In der Blütenfarbe gibt es einige Abweichungen, so werden neben den bereits im Punkt "Systematik" beschriebenen Formen auch sehr oft Pflanzen beschrieben, deren Blüten einen weißen Schlundfleck oder einen komplett weißen Schlund haben. Außerdem scheint es noch Klone zu geben, deren Blütenfarben eher ins Hellblaue oder auch ins Violette übergehen.
Die Länge der relativ schlanken Blüten beträgt meistens etwa 2 cm, davon entfällt etwa 1 cm auf den Sporn. In Populationen der Alpen und des Alpenvorlandes wurde aber auch schon ein natürlicher Mutant gefunden, dessen Blüten etwa doppelt so groß werden.

Pinguicula vulgaris ist in Europa und den nördlichen Teilen Amerikas und Asiens weit verbreitet, in Deutschland ist sie aber schon sehr selten geworden.
Die anpassungsfähige Pflanze wächst im natürlichen Verbreitungsgebiet unter kaltgemäßigten, gemäßigten und manchmal auch unter mediterranen Klimabedingungen und kommt in Höhenlagen zwischen 0 und 2300 m üNN vor.
Die Standorte sind meistens nur von sehr niedriger Vegetation bewachsen und können einen sauren, neutralen oder auch alkalischen pH-Wert haben. Das Bodensubstrat kann aus Lehm, Weißtorf, verschiedenen Schwarztorfen, Sand oder Kalkgestein mit geringer Humusauflage bestehen, in reinem Humus findet man die relativ konkurrenzschwache Pflanze nur selten. Dauerhaft sehr nasse Stellen werden in der Regel bevorzugt, an nur mäßig feuchten Standorten bleibt sie deutlich kleiner. In Deutschland kann man sie z.B. noch in einigen Niedermooren oder an den Ufern mancher naturbelassener Bachläufe finden. In den Alpen ist sie noch relativ häufig verteten, man findet die Pflanze dort manchmal an Bächen und Rinnsalen, an feuchteren Stellen der Magerrasen, an von Wasser überrieselten, gut bewachsenen Felsen und manchmal sogar direkt am Wegrand.

Pinguicula vulgaris wurde in der Vergangenheit vielfältig vom Menschen genutzt, so wurden z.B. in manchen Gebieten die wunden Euterzitzen der Milchkühe mit dem Sekret der Blätter eingerieben, und in Skandinavien wurde die Pflanze häufig verwendet, um Milch gerinnen zu lassen. Im späten 18. Jahrhundert galten die Blätter sogar als wirksames Mittel gegen Läuse.

Die Species ist durch das Bundesartenschutzgesetz geschützt, was bedeutet, dass ohne ausdrückliche Genehmigung des Naturschutzamtes keinesfalls Pflanzen oder deren Teile bzw. Produkte (also auch Samen) in der freien Natur gesammelt werden dürfen.

  Kultur

Die Kultur dieser Art ist sehr einfach, solange man einige wichtige Punkte beachtet. Sie ist auch gut für den Einstieg in die Kultur von winterharten Arten geeignet.
Hinweis: Auch wenn diese Art unter Optimalbedingungen gehalten wird, erreicht sie in Kultur nur sehr selten einen Durchmesser von mehr als etwa 13 bis 14 cm, meistens wird sie etwa 10 cm groß. Es ist also sinnlos zu hoffen, irgendwann einmal Riesenpflanzen mit 20 cm Durchmesser im Moorbeet zu haben.

Da sie eine Zimmer- oder Gewächshauskultur in der Regel nicht gut verträgt, sollte sie einen Standort im Freiland bekommen, wo sie ganzjährig in Töpfen oder größeren Pflanzgefäßen gehalten werden kann.
Die schönste Wirkung wird jedoch erzielt, wenn sie in größeren Gruppen in ein Moorbeet gepflanzt wird.

Um eine Überhitzung zu vermeiden, sollte immer darauf geachtet werden, dass die Pflanzen nicht ganztägig der prallen Sonne ausgesetzt sind, am besten ist es, wenn der Standort im Halbschatten liegt oder sogar ausschließlich indirektes Licht bekommt.

An das Substrat werden in Kultur genauso wie am Naturstandort nur geringe Ansprüche gestellt, die Art wächst in einem gewöhnlichen Torf-Sand-Gemisch (etwa 2 Teile Torf zu 1 Teil Sand) sehr zufriedenstellend. Wird sie mit anderen, kalkliebenden Arten zusammengepflanzt, ist es natürlich ratsam, ein alkalisches Substrat zu verwenden.

Bewässert wird am besten ganzjährig im Anstauverfahren, an die Luftfeuchtigkeit stellt die Pflanze nur geringe Ansprüche.

Sie sollte unbedingt auch im Winter draußen gelassen werden, damit sie ihre Ruhezeit einhalten kann, ein Frostschutz ist dabei nicht nötig.

Die Vermehrung wird am einfachsten vegetativ über die Nebenknospen vorgenommen, die entweder im Herbst oder im Frühjahr genauso wie Samen oder Brutschuppen auf das Substrat gestreut werden.
Obwohl die Pflanze bei Freilandhaltung zuverlässig jedes Jahr ohne künstliche Bestäubung viele Samen ansetzt, lohnt sich die Aussaat meistens nicht, weil sie genau wie bei den anderen winterharten Arten auch sehr langwierig ist. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Samen unbedingt eine Stratifikation (Kältebehandlung) zur Brechung der Keimhemmung benötigen. Die übliche Behandlung im Kühlschrank hat oft keinen oder nur sehr geringen Erfolg, am besten sät man die lichtkeimenden Samen im Herbst auf normales, genügend feuchtes Kultursubstrat aus und lässt das ganze den gesamten Winter über draußen stehen. Wenn im nächsten Frühjahr oder Sommer trotzdem nichts keimt, lässt man die Aussaat einfach einen weiteren Winter draußen.

  Quellen

U.a.: Adrian Slack: "Karnivoren", Ulmer-Verlag 1985; Barthlott/Porembski/Seine/Theisen: "Karnivoren - Biologie und Kultur Fleischfressender Pflanzen", Ulmer-Verlag 2004

  Anmerkung

Wenn man Pinguicula vulgaris am Naturstandort in den Alpen findet, kann man sie nur zu leicht mit Pinguicula alpina verwechseln, da es nicht selten vorkommt, dass sich die Blattrosetten der beiden Species unter diesen Bedingungen stark ähneln.

Letzte Änderung: 2005-02-20 19:48:58



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