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Gattung: Sarracenia Linnaeus, {1753}


PatenschaftDiese Gattung wird betreut von: Georg Stach; Lars Timmann

Datenblatt

Systematik

Beschreibung

Sarracenia, die Schlauchpflanze, ist mit acht Species in den USA und Kanada verbreitet. Sarracenia bildet bis 120cm hohe, röhrenartige zumeist aufrecht stehende Fangsysteme. Die Pflanze fällt durch lebhafte Färbung und ungewöhnlich geformte Blüten auf. Die Kultur ist recht einfach; eine Species ist voll winterhart.

Historie

Zum ersten Mal wurde Sarracenia 1576 in einem Dokument erwähnt und "thuris limpidi folio" genannt. Die Pflanze, die dort beschrieben wurde, kennen wir heute als Sarracenia minor. Eine Abbildung unter dem Namen Sarracenia wurde erstmals bei Clusius 1601 gefunden.
Diese Gattung wurde zu Ehren von Michel Sarrazin (1659-1735), einem in Kanada lebenden Chirurgen, benannt. Sarrazin sandte damals dem französischen Botaniker Tournefort Exemplare von S. purpurea zu, woraufhin dieser die Gattung unter dem Namen "Sarracenia" erläuterte. Linnaeus deklarierte sie 1753 offiziell unter diesem Namen.
Die Karnivorie dieser Gattung wurde erst 1791 durch William Bartram erwähnt und letztlich durch Forschungsarbeiten 1887 erwiesen. Vorher vermutete unter anderem Catesby (1737-54), dass die zahlreichen Insekten in den Schläuchen der Sarraceniae Nahrungsreserven von Fröschen seien.

Systematik

Sarracenia ist mitsamt Darlingtonia und Heliamphora in der Familie der Sarraceniaceae. Schnell weist jedoch darauf hin, dass die Unterschiede zwischen diesen Gattungen so groß seien, dass sie eigentlich in jeweils eigene Familien gehörten (Schnell 2002).

Die Pflanze

  Beschreibung

Sarracenia ist eine mehrjährige, rhizomatisch wachsende Pflanze. Das Rhizom ist dunkelrot bis braun gefärbt und wächst ebenerdig. Faserige, hellbraune, bis 20cm lange Wurzeln verankern die Pflanze im Boden. Aus dem Rhizom entspringen die interessanten "Schläuche", die als Fangapparat dienen. Bei zwei der acht Species wachsen sie aufliegend (Sarracenia psittacina, Sarracenia purpurea), die restlichen Species bilden aufrechte Schläuche. Sarracenia flava ist hierbei mit einer Länge von 1,2m die höchste Art; Sarracenia rubra bleibt in Kultur eher klein (ca. 30cm), wächst aber lt. Schnell 2002 bis auf 65cm heran.
Neben den Fangschläuchen bilden einige Arten in ihrer Ruhezeit spitz zulaufende, nicht-karnivore Blätter, sog. Phyllodien, welche wohl als Energiereservie dienen.

  Falle

Die Schläuche variieren, je nach Species und Subspecies, von hellgrün bis tiefrot und weisen oft eine auffällige Aderung auf, die wohl bei Sarracenia leucophylla am besten zu beobachten ist. S. minor und S. psittacina statten ihre Schläuche darüberhinaus mit Strukturen aus, die Fenstern ähneln: Durch halbtransparente Zellen, die von Licht absorbierenden Zellen umgeben sind, dringt Licht in das Schlauchinnere ein. Insekten, die einmal in das Schlauchinnere hineingekrabbelt sind, glauben dadurch jederzeit ins Freie fliegen zu können. Stattdessen werden sie weiter in die Falle geführt...
Alle Sarracenia-Arten außer S. purpurea und S. psittacina besitzen einen Deckel über der Schlauchöffnung, der das Innere vor Regen schützen soll. Dieser Deckel ist unbeweglich. S. psittacina verfolgt mit einer Reusenfalle ein anderes Konzept.
Je nach Species mehr oder weniger stark ausgeprägt ist eine Flügelleiste, die von der Schlauchbasis bis zur Öffnung verläuft. Sie verleiht Stabilität und führt Beute außerdem hinauf zur Schlauchöffnung. Dort wartet ein zumeist mit Nektarien besetzter Kragen, der heranfliegende wie hinaufkrabbelnde Beutetiere anlockt und unvorsichtige Gäste unvermeidlich in die Tiefe stürzen lässt.

Zonen am Beispiel von S. leucopyhlla 
 (c) Georg Stach
Zonen am Beispiel von S. leucopyhlla
© Georg Stach
Die Schläuche lassen sich in vier Zonen einteilen. Am Beispiel von S. leucophylla:
Zone 1 umfasst den Bereich des Deckels bis zum Hals. Auf der Innenseite des Deckels finden sich einige Nektar ausscheidende Drüsen und kurze Haare, die in Richtung Schlauchöffnung zeigen.
Darunter beginnt Zone 2, welche den Hals und gesamte die Schlauchöffnung mit Kragen einschließt. Der Hals scheidet auf der Innenseite am meisten Nektar aus, was besonders gut bei S. flava im Sommer zu beobachten ist: Oftmals bilden sich hier dicke Tropfen (die fast wie Honig schmecken).
Nahtlos schließt sich Zone 3 an, die etwa das obere Drittel eines Schlauches unterhalb von Zone 2 einnimmt. Durch eine völlig glatte, wachsartige Schicht finden Insektenbeine keinen Halt mehr. Zusätzlich ist sie mit Sekret ausscheidenden Drüsen besetzt.
Zone 4 reicht bis an die Schlauchbasis heran und ist die "Verdauungszone", in der die Enzyme arbeiten und gelöste Elemente aufgenommen werden.

  Blüten

Am Naturstandort beginnt die Sarracenia-Blüte i.d.R. Mitte März, kann sich aber je nach Klima auch in die Folgemonate verschieben. Etwa gleichzeitig mit der Blüte geht die Bildung der ersten Schläuche einher. Die Blüten machen sich durch eine Verdickung im Rhizom bemerkbar und wachsen an einem langen Schaft in die Höhe. Zunächst noch nach oben zeigend, nehmen Sie letztlich eine "nickende Position" ein. Im Durchmesser werden sie bis zu 7,5cm groß (Slack 1985). Die Hälte der Species blüht in Gelb, die anderen vier Species blühen in verschiedenen Rot-Tönen; die Kelchblätter (Sepalen) haben meistens die gleiche Farbe wie die Kronblätter (Petalen). Auf der Innenseite sind die Sepalen jedoch stets hell; bei einigen Species mit seichten Farbverläufen.

S. psittacina-Blüte ohne Petalen 
 (c) Georg Stach
S. psittacina-Blüte ohne Petalen
© Georg Stach
Die Form der Blüte wird gerne mit einem auf den Kopf gedrehten Regenschirm verglichen und ist einzigartig. (1) zeigt die Blüte von der Seite, (2) von oben und (3) von unten. Unterhalb des Fruchtknotens setzt sich der Griffel fort und bildet den "Schirm" aus fünf Segmenten, an deren Spitzen jeweils eine Narbe sitzt. Die Farbe des Griffels ist zumeist in einem sehr hellen Farbton der Petalen gehalten, kann aber auch hellgelb oder hellgrün sein. Die Petalen fallen durch die weiten Öffnungen des "Schirms". Die Blüte hat jeweils fünf Sepalen und Petalen.

Bienen sind die Hauptbestäubern der Sarracenia.
Um in das Innere der Blüte zu gelangen, berühren sie zwangsläufig eine der Narben und streifen Pollen von den zahlreichen Staubblättern (Stamina), die den Fruchtknoten umgeben, ab. Selbstbestäubung wird dadurch verhindert, dass die Biene den Weg des einfachsten Widerstandes geht: Sie drückt die Sepalen wie eine Tür nach außen und kann davon fliegen.

Sarracenia lässt sich sehr einfach kreuzen. Dieses Phänomen lässt sich auch am Naturstandort beobachten, durch die unterschiedlichen Blühzeitpunkte und die geographische Trennung der Arten findet es allerdings nur an bestimmten Standorten statt. In Kultur lassen sich sehr schöne Hybriden heranzüchten.
Die Blüten der verschiedenen Arten haben allesamt einen unterschiedlichen Geruch, der von süßlich bis senfartig reicht.

  Habitat

Das Gesamtverbreitungsgebiet der Sarracenia ohne S. purpurea. 
 (c) Martin Brunner
Das Gesamtverbreitungsgebiet der Sarracenia ohne S. purpurea.
© Martin Brunner
Das Gesamtverbreitungsgebiet der Sarracenia mit S. purpurea. Die dunkelgrünen Zonen kennzeichnen Kanada. 
 (c) Martin Brunner
Das Gesamtverbreitungsgebiet der Sarracenia mit S. purpurea. Die dunkelgrünen Zonen kennzeichnen Kanada.
© Martin Brunner
Sarracenia wächst primär in den Küstenregionen der US-Atlantikküste (Virginia, N. und S. Carolina, Georgia, Alabama, Ost-Texas, Florida), den anliegenden Savannen sowie einigen abgetrennten Feuchtgebieten in den Appalachen. S. purpureas Verbreitungsgebiet umfasst auch die nördlichen US- Regionen über Mittel-Minnesota bis nach Kanada (Süd-Quebec, Ontario, Manitoba, Saskatchewan, Alberta, Nordost-British Columbias) hinein.






Kultur

In Kultur ist Sarracenia eine sehr dankbare und robuste Pflanze. Am besten gedeihen die Pflanzen generell im Freiland.
Als Substrat reicht reiner Torf völlig aus. Wichtig ist ein großer und hoher Topf. Ich konnte beobachten, dass Pflanzen, die ich gerade in einen größeren Topf umgesetzt hatte, in den folgenden Monaten regelrecht in die Höhe schossen. Das Frühjahr ist der beste Zeitpunkt, um Sarracenien umzutopfen. Wenn die hellen Wurzeln schon am Grund des Pflanzgefäßes nach einem Ausweg suchen, ist es höchste Zeit, ihnen in einem größeren Topf mehr Spielraum zu bieten.
Da sich das Rhizom mit der Zeit auch "bewegt", indem es in eine Richtung wächst, ist es sinnvoll, von Anfang an besonders breite Töpfe zu wählen.

In der Wachstumsperiode kann Sarracenia gar nicht genug Sonne bekommen. Licht ist eines der wichtigsten Kriterien für gesunde Schlauchpflanzen, und aus diesem Grund ist von einer Kultur im Terrarium eher abzuraten: Schlauchpflanzen, die wenig Licht bekommen, wachsen langsam, bleiben grün und vergeilen unter Umständen, blühen nicht und sind anfällig für Krankheiten.
Die Temperaturen dürfen im Sommer auf bis zu 40°C klettern. Solange das Substrat immer nass gehalten wird, besteht keine Gefahr. Ideal ist es, Sarracenia im Freien auszupflanzen.

Im Winter legt Sarracenia eine Ruheperiode ein. Mit Ausnahme von S. purpurea vertrocknen jetzt die Schläuche allmählich. Die braunen Stellen sollten abgeschnitten werden. Die Optimaltemperatur beträgt jetzt 8°C, S. purpurea ssp. purpurea verträgt auch starke Fröste bis -25°C und erwartet diese auch. Im Winter gießen wir weniger. Das Substrat soll feucht, aber nicht nass bleiben. Bei mir stehen die Schlauchpflanzen im Winter ohne Untertöpfe im Wintergarten. 1-2 Mal pro Woche gieße ich sie kräftig, ohne dass sich das Wasser aufstauen kann.
Ein heller Standort ist während der Ruhezeit angebracht, um Fäule und Schimmel zu verhindern: Gerne nistet sich Grauschimmel an dunklen, feuchten Plätzen ein, der das Rhizom der Pflanze "ausfrisst" und sich stark ausbreiten kann, was meistens unweigerlich zu Verlusten führt.

Krankheiten

Im Frühjahr und Sommer werden junge Schläuche und Blüten oft von Blattläusen heimgesucht. Merkwürdig verbogene Schläuche zeigen einen Befall an. Schnecken fressen sich auch gerne mal durch frische Fallen. Ich habe gehört, dass im Sommer auch Vögel eine Extramahlzeit nehmen, indem sie die Schläuche aufpicken, um an die gefangenen Insekten zu gelangen. Glücklicherweise habe ich das noch nicht beobachten können.
Während der Ruhemonate ist Grauschimmel sehr gefährlich. Er deckt sich mit einem haarigen, grauen Pelz über das Rhizom. Ich konnte die meisten Pflanzen bis jetzt retten, indem ich die befallenen Stellen großzügig herausgeschnitten habe.

Vermehrung

Am besten funktioniert die vegetative Vermehrung durch Teilung. Die Sarracenien besitzen Vegetationspunkte: Überall dort, wo aus dem Rhizom neue Schläuche empor wachsen, kann die Pflanze geteilt werden. Mit einem scharfen Messer wird das Rhizom durchtrennt. Wer es für notwendig erachtet, kann die Bruchstellen mit Kohlepulver abdecken. Es ist darauf zu achten, dass die "neue" Pflanze noch Wurzeln trägt. Dann wird sie nämlich garantiert gut anwachsen.
Die generative Vermehrung über Saat ist erfolgversprechend und hat noch den Vorteil, dass man durch Kreuzungen interessante Kultur-Varianten hervorbringen kann. Das Saatgut soll besser keimen, wenn es für ca. 4-6 Wochen frostfrei im Kühlschrank gelagert wird. Danach wird es ausgesät und kann im Prinzip wie ausgewachsene Sarracenien behandelt werden, außer dass die Jungpflanzen bis zum etwa 3. Lebensjahr keine Ruhepause im Winter benötigen.

Anmerkungen

Am Naturstandort wurden zahlreiche Symbiosen und andere Tier-Pflanze-Beziehungen beobachtet. Die Exyra-Motte ist eine der bekanntesten Nutznießer; sie verwendet S. leucophyllas Schläuche als Unterkunft, Brutstätte und zuletzt als Nahrung.
Weitere Details sind den u.a. Quellen zu entnehmen.

Quellen

D'Amato, P. (1998): The savage garden: cultivating carnivorous plants. Berkeley, CA. Ten Speed Press. 71-74.
Dr. Braem, G. (1996): Fleischfressende Pflanzen: Arten und Kultur. Gladenbach. Ritschel. 82.
Schnell, D. E. (2002²): Carnivorous plants of the United States and Canada. Portland, OR. Timber Press. 99 pp.
Slack, A. (1985): Karnivoren. Stuttgart. Ulmer. 25-32.


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