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Gattung: Heliamphora Bentham, {1840}


PatenschaftDiese Gattung wird betreut von: Stefan Kuhlmann

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Systematik

Beschreibung

Systematik

Heliamphora gehört zur Familie der Sarraceniaceae, in die auch die Gattungen Sarracenia und Darlingtonia gehören. Der deutscher Name von Heliamphora ist 'Sumpfkrug'.

Historisches

Die erste Art von Heliamphora (Heliamphora nutans) wurde 1838 von Robert Hermann Schomburgk (1804-1865) entdeckt. Dieser war im Auftrag der Britischen Krone zusammen mit seinem Bruder Moritz Richard Schomburgk (1811-1891) in Venezuela um die Grenzlinie zwischen British Guayana und Venezuela zu vermessen. Beschrieben wurde diese Art von George Bentham (1800-1884), der das von Schomburgk gesammelte Pflanzenmaterial bearbeitete. Es dauerte fast 100 weitere Jahre bis die nächste Art entdeckt wurde. Das liegt daran, dass die Tafelberge, auf denen Heliamphora wächst sehr abgelegen und schwer zu erreichen sind. In den letzten 5 Jahren wurden viele bisher unbekannte Arten entdeckt und beschrieben.
Der Gattungsname setzt sich aus den griechischen Wörtern 'elos'(=Sumpf) und 'amphora'(=krugförmiges Gefäß, Amphore) zusammen. Der englische Begriff 'sunpitcher plants' geht fälschlicherweise auf den ähnlichlautenden griechischen Begriff 'helios'(=Sonne) zurück.
Heliamphora ist die urtümlichste fleischfressende Pflanze überhaupt, da man bei ihr noch erkennen kann, wie sich aus einem Laubblatt ein Schlauchblatt gebildet hat.

Herkunft & Habitat

Heliamphora wächst auf den Tafelbergen (Tepuis) in Venezuela, die teilweise auch zu Brasilien und Venezuela gehören. Diese sind mit die abgeschiedensten Orte der Welt, denn sie ragen teilweise bis über 3000m hoch in den Himmel. Die höchste Erhebung ist Sierra de la Neblina mit 3014m. Vor Millionen von Jahren sind diese Berge aus Sandstein durch Erosion entstanden und bilden nun die Heimat vieler Hochlandpflanzen, und so auch Heliamphora. Auf den Tepuis ist die UV-Strahlung sehr hoch, dadurch dass die Berge sehr hoch liegen, trotzdem ist es recht kühl. Die Temperaturen betragen tagsüber um die 20°C. Sobald die Sonne untergeht, sind die Berge in Wolken und Nebel umhüllt. Die Temperatur sinkt dann teilweise nahe dem Gefrierpunkt. Teilsweise herrschen schlimme Stürme mit Donner und Blitz, die das Substrat und die Nährstoffe an den Felskanten der Tepuis herunterspülen. Der Niederschlag ist ganzjährig sehr hoch, deshalb herrscht eine hohe Luftfeuchtigkeit auf den Tepuis. Diese natürlichen Bedingungen sollte man bei der Kultur von Heliamphoren im Hinterkopf behalten.

Die Pflanze

Die Heliamphora-Arten sind ausdauernde, krautige, immergrüne Staudenpflanzen, die immer terrestrisch wachsen. Sie bestehen aus einem robustem Rhizom, woraus einfache oder verzweigte Stämme entstehen. Die Pflanze bildet im Sämlingsstadium bis zu einer gewissen Größe juvenile Schläuche aus. Diese haben eine seitliche Öffnung und bleiben ziemlich klein. Erst wenn die Pflanze älter wird und die Kulturbedingungen stimmen, bildet die Pflanze adulte Schläuche aus. Die Blüten der Sumpfkrüge sind relativ groß und meistens rosa-weiß gefärbt. Sie erscheinen an einem langen Blütenstiel, der die Blüte graziös in der Luft hält, damit potenzielle Bestäuber nicht in die Fallgruben geraten. Die Pflanzen bilden ein gut entwickeltes Wurzelwerk, allerdings sind die Wurzeln sehr empfindlich gegenüber Staunässe und luftundurchlässigem Substrat.

Die Falle

Bei Heliamphora handelt es sich um eine Fallgrube, wobei die Krüge von Heliamphora wohl die urtümlichste aller Fallgruben ist. Die Krüge sehen aus wie ein zusammengerolltes Blatt und sind wohl auch so entstanden. Die Insekten werden durch Nektar angezogen, der sich an dem mehr oder weniger ausgeprägten Deckel befindet. Von dort führt eine Nektarspur in das Schlauchinnere. Dort verhindern die wachsartige Oberfläche und die borstenartigen nach unten gerichteten Haare ein Fliehen des Insekts nach oben. Das Insekt rutscht auf der wachsartigen Fläche ab und landet im mit Wasser gefüllten Krug. Dort wird es durch Bakterien zersetzt und die Nährstoffe werden über die Blätter aufgenommen. Heliamphora bildet keine eigenen Enzyme zur Verdauung. Ungefähr auf halber Höhe des Kruges befindet sich ein Loch, an der Stelle wo die Blätter zusammengewachsen sind, das zum Ablauf des Wassers dient, damit die Krüge immer nur auf halber Höhe mit Wasser gefüllt sind. Dadurch werden keine Insekten über den Rand hinausgespült. Außerdem wurde rausgefunden, dass Heliamphora sowie Brocchinia ein 'UV-Muster' besitzt, eine ultraviolette Zeichnung, die für Menschen nicht sichtbar ist, aber von Insekten gesehen wird. Dadurch werden zusätzlich Insekten angelockt.

Kultur

Die Gattung Heliamphora ist eine schwierige Gattung, die nicht als Anfänger-Pflanze geeignet ist. Wenn man jedoch schon etwas Erfahrung mit Karnivoren hat und mit der Gattung Heliamphora beginnen möchte, sollte man sich zunächst den robusten Hyriden widmen. Eine sehr wüchsige und robuste Kreuzung ist Heliamphora heterodoxa x nutans, die bei mir bislang auch ohne Probleme gedeiht. Es gibt aber noch weitere Kreuzungen, die relativ einfach in der Pflege sind. Wenn man einige Jahre Erfahrung mit diesen Hybriden gesammelt hat, und sich eine Naturform zulegen möchte, wird meist H. heterodoxa, H. nutans oder H. minor empfohlen.

  Licht

Die Pflanzen brauchen auf jeden Fall viel Licht. Sonne wird auch gut vertragen, wenn man die Pflanzen Schritt für Schritt daran gewöhnt. Im Winter sollte die Beleuchtungsdauer wie im Sommer sein. Deshalb ist es wichtig die Pflanzen im Winter mit Kunstlicht zu versorgen. Wenn die Pflanzen nicht genug Licht erhalten, bilden sie keine schönen Kannendeckel aus. Daran kann man u.a. Lichtmangel erkennen.

  Temperatur

Die richtige Temperatur ist ein wichtiger Aspekt, der bei der erfolgreichen Kultur von Heliamphora eine Rolle spielt. Optimal ist eine ganzjährige Tagestemperatur von ca. 20°C, alles bis 30°C ist noch im Rahmen, aber darüber sollte die Temperatur nicht steigen. Nachts sollte die Temperatur abgesenkt werden, so dass eine deutliche Nachtabsenkung erreicht wird. Diese Absenkung brauchen die Pflanzen um gut gedeihen zu können, denn in Natur ist dies auch der Fall (teilweise fast bis zum Nullpunkt). Eine Ruhephase kennt Heliamphora nicht. Sie wird das ganze Jahr durchkultiviert.

  Luftfeuchtigkeit

Die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 60-75% liegen. Im Sommer kann man die Pflanzen öfter mal besprühen oder abbrausen, damit sich auch die Krüge mit Wasser füllen.

  Gießen

Die Sumpfkrüge mögen es auf jeden Fall feucht. Das Substrat darf keinesfalls austrocknen. Allerdings ist es umstritten, ob man Heliamphora im Anstauverfahren halten sollte oder nicht. Wenn man dies tut, nicht andauernd, sondern den Untersetzer auch mal austrocknen lassen.
Außerdem ist immer darauf zu achten, dass die Krüge mit Wasser gefüllt sind.

  Düngen

Gedüngt wird Heliamphora nur wenn die Pflanze kräftig genug ist und sich an die Kulturbedingungen gewöhnt hat. Dann kann mit sehr schwacher Konzentration eine Blattdüngung im Sprühverfahren durchgeführt werden. Außerdem besteht die Möglichkeit der Düngung mit Milch und kleineren Insekten. Normalerweise brauchen die Pflanzen aber nicht gedüngt zu werden.

  Substrat

Das Substrat muss auf jeden Fall sehr luftdurchlässig sein und das Wasser gut abfließen lassen. Es darf nicht zu Staunässe kommen. Manche kultivieren die Pflanze in reinem Spaghnum, andere arbeiten mit einem Spaghnum-Torf-Gemisch, dem man noch Kokosfasern beifügen kann. Wieder andere benutzen ein Torf-Sand-Perlite-Gemisch. Um die Wurzeln im Sommer bei großer Hitze kühl zu halten, ist ein Tontopf anstatt Plastik empfehlenswert.

  Vermehrung

Die Vermehrung durch Samen ist möglich, aber sehr langwierig. Man braucht dazu sehr viel Geduld. Eine andere Möglichkeit ist die Teilung der Pflanze an mehreren Vegetationspunkten. Dies ist meist bei größeren Pflanzen möglich. Man sollte die Pflanzen auf jeden Fall nach der Teilung mit Holzkohlepulver zur Desinfizierung behandeln. Dabei sollte man aufpassen, dass die empfindlichen Blätter nicht abbrechen.

  Krankheiten

Schädlinge treten bei Heliamphora selten auf. Blattläuse kommen gelegentlich vor. Kulturfehler sind viel häufiger, z.B.: Verbrennen durch zu viel Hitze oder zu starke Sonne, Bildung von nicht funktionsfähigen Fallen bei zu dunklem Standort, Verfaulen der Wurzeln bei Schimmelablagerungen,...

Literatur

Thomas Carow, Ruedi Fürst - Fleischfressende Pflanzen
Barthlott, Porembski, Seine, Theisen - Karnivoren
Dr. Guido Braem - Fleischfressende Pflanzen


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Gattung:  Heliamphora

Symbolbild: Heliamphora

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